Infos:

24.10.06 Berliner Zeitung: „Schwein gehabt?“

13.03.07 ZDF Frontal 21: „Schweinische Geschäfte“

26.10.08 ZDF: „Tourismus interessiert kein Schwein“

26.02.09 Schweriner Volkszeitung: “Ferkelei in Alt Tellin verzögert sich“

06.04.09 Süddeutsche Zeitung: „Eine einzige Sauerei“

06.04.09 NDR: „Anhörung für umstrittene Schweinezuchtanlage beginnt“

07.04.09 NDR: „Streit über Schweinezucht: Bürger stellen Anträge“

08.04.09 NDR: „Erörterung für Schweinezucht bei Alt Tellin beendet“>

07.04.09 Schweriner Volkszeitung: „Proteststurm gegen Schweine“

Besetzungswochenende:

16.04.09 Indymedia: „Widerstandshaus gegen Ferkelzuchtanlage“

17.04.09 Junge Welt: „Rettet das Landleben“

18.04.09 Schweriner Volkszeitung: „Aufruhr im Tollensetal“

18.04.09 Indymedia: „Besetzung der Ferkelproduktionsanlage“

18.04.09 ZDF Länderspiegel: „Dicke Luft in Vorpommern“

20.04.09 Schweriner Volkszeitung: „Protest in Alt Tellin“

20.04.09 Neues Deutschland: „Bauern gegen Tier-»Fabrik«“

23.04.09 Indymedia: „Fotos: Fight Industrial Farming in Alt-Tellin“

Infos:

22.06.09 Ostseezeitung: „Alt Tellin: Pro Schweinezuchtanlage“

20.07.09 Webmoritz: “Alt Tellin: Fleischproduktion der Superlative”

27.07.09 Ostseezeitung: „CDU verteidigt Schweineanlage in Alt Tellin“

Aktionstage I:

08.08.2009 www.ostseeblick-nienhagen.de

Tierschützer protestieren mit Zeltlager gegen Schweinezuchtprojekt

Alt Tellin (ddp-nrd). Mit einem dreitägigen Zeltlager protestieren seit Samstag in Alt Tellin (Landkreis Demmin) Tierschützer und Sympathisanten gegen den geplanten Bau einer Schweinemastanlage am Rande des mecklenburgischen Dorfs. An der Aktion beteiligten sich etwa 70 Aktivisten, sagte Günther Martin von der Initiative für Tierschutz und Tierrechte. Geplant seien Diskussionsrunden sowie Workshops zu Umwelt- und Tierschutzproblemen.

Der holländische Investor Adrian Straathof will in Alt Tellin eine Aufzuchtanlage mit 10 458 Sauen und Ebern sowie 35 840 Ferkeln betreiben. Nach Ansicht der Gegner widerspricht die nach ihrer Ansicht technisch nicht ausgereifte Anlage geltendem Tier- und Umweltschutzrecht. Zudem befürchten Anwohner negative Auswirkungen für den Tourismus im Tollensetal. Ein Genehmigungsantrag des Investors wird gegenwärtig vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Neubrandenburg geprüft.

09.08.09 Blitz am Sonntag

… following soon…

10.08.09 Indymedia: “Aktionstage gegen Schweinemast in MeckPomm”

10.8.09 Nordkurier

Proteste gegen Alt Telliner „Ferkelfabrik“

Demmin (kis). Mit einer Demo wollten am Sonntag Gegner der Schweinezuchtanlage bei Alt Tellin (Landkreis Demmin) Druck auf den Chef der Daberkower Landhof AG ausüben. An der Aktion beteiligten sich etwa 70 Aktivisten, sagte Günther Martin von der Initiative für Tierschutz und Tierrechte. Geplant seien Diskussionsrunden sowie Workshops zu Umwelt- und Tierschutzproblemen.

Der holländische Investor Adrian Straathof will in Alt Tellin eine Aufzuchtanlage mit 10.458 Sauen und Ebern sowie 35.840 Ferkeln betreiben. Nach Ansicht der Gegner sei die Anlage technisch nicht ausgereift und widerspreche geltendem Tier- und Umweltschutzrecht. Zudem befürchten Anwohner negative Auswirkungen für den Tourismus im Tollensetal.

10.08.09 Nordkurier-Demmin

Mit Samba gegen die „Ferkelfabrik“

Neu Plötz. „Der Zeitpunkt ist dringlich“, sagte Tierrechtlerin Laura Bischof aus Reutlingen bei Stuttgart. Die Genehmigung für den Bau der größten Schweinezuchtanlage Europas könne jeden Tag kommen. „Bald könnte auf dem Gebiet gebaut werden.“ Deshalb sei es wichtig, dass so schnell wie möglich erneut Aktionen gegen diese „Ferkelfabrik“ stattfinden. Eine Gruppe Greifswalder Studenten, Tierrechtler des Netzwerkes „Nandu“ sowie Umweltaktivisten unter anderem aus Hamburg, Hannover, Nürnberg und Berlin trafen sich deshalb am Wochenende am so genannten Widerstandshaus in Neu Plötz, um gegen die Schweinezuchtanlage bei Alt Tellin und ihre globalen Folgen zu diskutieren. Gentechnik, Tierversuche, strukturschwache ländliche Regionen waren unter anderem Themen in Workshops.

Mit einer Demonstration vor dem Privatgelände des Geschäftsführers der Daberkower Landhof AG gestern Nachmittag in Kruckow wollten die Umweltaktivisten mit Samba-Rhythmen und Transparenten Druck machen. Wie Sarah Lindau sagte, habe Wilfried Kosalla eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der drinstehen soll, dass er bei Genehmigung der Ferkelzuchtanlage sein Grundstück nahe Neu Plötz, auf dem der Stallkomplex gebaut werden soll, an den niederländischen Investor Adrian Straathof verkaufen wolle. Um das zu verhindern, deshalb hätten sie gestern friedlich eine Mahnwache gehalten, so Lindau.

Nur wenige Einheimische haben indes an den Aktionstagen teilgenommen. Olaf Spillner von der Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ führt das auf die Ferien zurück sowie parallel laufende Veranstaltungen auf der Burg Klempenow. Er finde es aber gut, dass sich junge Leute auch von außerhalb im Kampf gegen den Bau der Anlage so engagieren. Das sei auch ein Verdienst der Bürgerinitiative. Sie habe es geschafft, dass das Thema überregional bekannt werde. Ob der Bau der „Fabrik“ genehmigt werde, hänge jedoch nicht vom Grundstück ab, sondern vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StauN). Dort ziehe sich das Genehmigungsverfahren in die Länge. Laut Auskunft des StauN´s sei in diesem Sommer mit einer Genehmigung nicht mehr zu rechnen. 700 Einwände lägen zum Straathof-Projekt vor. Mit der ausweitenden Schweinegrippe bekomme das Thema zudem eine andere Relevanz.

Mit den jungen Aktivisten diskutierte auch ein Senior, Helmut Hauck aus der Gemeinde Alt Tellin. „Ich bin generell gegen Gewalt und sie auch. Da gibt es eine Übereinstimmung“, meinte er. „Es sind alles nette Leute und genug Gesprächsstoff gibt es.“ Helmut Hauck wollte Erfahrungen weitergeben. „Weil es sinnvoll ist, Fehler zu vermeiden.“ Die Menschheit wisse nichts mit dem Fortschritt anzufangen, kritisierte er. Die Industrie habe solche Dimensionen erreicht, die die Welt in Unordnung bringen. Hauck stellte klar, dass er nicht zufrieden wäre, wenn die Anlage bei Alt Tellin nicht, aber dafür in Polen oder anderswo gebaut werde.

Unterdessen bewachte die Demminer Polizei am Wochenende rund um die Uhr das Grundstück zwischen Alt Tellin und Neu Plötz, auf dem der Stallkomplex, mit 10 000 Muttersauen und 250 000 Ferkeln jährlich, gebaut werden soll. Die Aktivisten wollten ursprünglich auf dem Gelände zelten. Der Eigentümer hatte das jedoch verboten, so dass die jungen Leute auf ein Privatgelände in der Nähe auswichen. Am Objekt blieb an beiden Tagen alles ruhig.

10.08.09 Ostseezeitung

Im Streit um Schweineanlage Agrarbetrieb blockiert

Kruckow (dpa/mv) – Der Streit um die geplante Ferkelzuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin) ist heute eskaliert: Tierschützer blockierten einen Agrarbetrieb im Nachbardorf Kruckow. Wie ein Polizeisprecher in Demmin der dpa sagt, behinderten etwa 15 Frauen und Männer Erntefahrzeuge an der Einfahrt zur Daberkower Landhof AG. Die Polizei erließ Platzverweise und ermittelt wegen Verdachts der Nötigung. Die Gruppe will verhindern, dass der Agrarbetrieb eine Teilfläche an den Schweinezüchter verkauft. Der holländische Investor will bis Mai 2010 eine Anlage mit 10 000 Sauen in Alt Tellin bauen. Die Entscheidung zur Genehmigung soll im Herbst fallen.

10.08.09 Schweriner Volkszeitung

Streit um Ferkelanlage eskaliert

Der Streit um die geplante Ferkelzuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin) ist gestern eskaliert: Tierschützer blockierten einen Agrarbetrieb im Nachbardorf Kruckow. Wie ein Polizeisprecher in Demmin sagte, behinderten etwa 15 Frauen und Männer Erntefahrzeuge an der Einfahrt zur Daberkower Landhof AG. Die Polizei erteilte Platzverweise und ermittelt wegen Verdachts der Nötigung. Die Gruppe will verhindern, dass der Agrarbetrieb eine Teilfläche an den Schweinezüchter verkauft. Der holländische Investor, die Straathof Holding (Gladau/Sachsen-Anhalt), will bis Mai 2010 für rund 16 Millionen Euro eine Anlage für 10 000 Sauen bauen. Die Entscheidung über eine Genehmigung soll nach Angaben des Staatlichen Umweltamtes in Neubrandenburg im Herbst fallen.

Der Leiter des blockierten Agrarbetriebes, Wilfried Kosalla, reagierte verärgert auf die Blockade. „Unsere Leute sind voll bei der Ernte und haben kein Verständnis für solche Aktionen.“ Früher seien zudem doppelt so viele Schweine in der Region gehalten worden, wie jetzt geplant. Der Betrieb habe dem Investor bereits zugesagt, ihm die Fläche – es wäre eine von mehreren Teilflächen – zur Verfügung zu stellen, wenn die amtliche Genehmigung vorliege.

In der Zuchtanlage sollen jährlich bis zu 250 000 Ferkel aufgezogen werden. Damit wäre sie neben einer Anlage in Haßleben (Uckermark/Brandenburg) eine der größten in Ostdeutschland, sagte ein Sprecher des Hybrid-Schweinezuchtverbandes Nordost. Die Gemeinde Alt Tellin hofft auf 40 Arbeitsplätze. „Was heute genehmigt und gebaut wird, hat auch einen moderneren Standard als alte Anlagen“, sagte Kosalla.

Gegner des Vorhabens befürchten Umweltprobleme, Gestank durch Gülle und Beeinträchtigungen im Tourismus der Region. Die Demonstranten am Montag in Kruckow lehnten die industrielle Tierhaltung generell ab. Nach Angaben von Kosalla will die Straathof AG im September mit der Werbung von Arbeitskräften in der Region beginnen. Inzwischen hätten Agrarbetriebe auch Verträge über die Abnahme von Gärreststoffen abgeschlossen, die beim Betrieb der geplanten Biogasanlage von Straathof anfielen.

11.08.09 Indymedia: “Aktionstage gegen Ferkelfabrik”

Infos:

15.08.09 Anne Klatt auf http://blog.gruene-greifswald.de/

Wird Alt Tellin zu Europas größter Sauerei? Die CDU ist dafür

Liebe LeserInnen,

bitte nehmen Sie sich eine Minute Zeit und stellen sich 10.000 Muttersauen und 250.000 Ferkel vor – diese Anzahl an Tieren pro Jahr sollen zukünftig in Alt Tellin bei Demmin gemästet werden. Das wäre die größte Schweinemastanlage Europas. Übliche Praxis darin ist zum Beispiel das Herausschneiden der Hoden ohne Betäubung, damit die männlichen Hormone nicht Geschmack des Fleisches trüben. Die eigentlich friedlichen Tiere neigen durch das enge Zusammenpferchen zu Aggressionen und sogar Kannibalismus. Um dem vorzubeugen, werden die Schwänzchen der Ferkeln oft „gekappt“. In Lateinamerika müssen Regenwälder dem Anbau von gentechnisch verändertem Soja weichen – Und dieses Soja bildet die „Eiweißkomponente“ in den Futtertrögen hierzulande.

Tiermisshandlung, gigantische 60.000 t Gülle pro Jahr, die Verdrängung ländlicher Arbeitsplätze durch voll-automatisierte Großanlagen, die Geruchsbelästigung, die Soja-Problematik… Die Anlage in Alt Tellin hat viele Kehrseiten der Medaille, aber offensichtlich keine goldene Vorderseite.

Der Markt dürstet nach billigem Fleisch und solange diese entsetzlichen Produktionsweisen legal bleiben, wird es immer mehr derartige Anlagen geben. Dass ausgerechnet der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag Matthias Lietz, der zudem Katholik und Direktkandidat für diesen Wahlkreis ist, den Bau befürwortet, sagt einiges über seine Auffassung von Tier- und Umweltschutz aus.

Auf dem Blog der Anlagengegner, kann man den massiven Gegenwind förmlich spüren.

Berlinonline.de, 24.0ktober 2006
Schwein gehabt?
In Vorpommern gibt es Streit um die Zukunft des Landes. Die einen setzen auf riesige Tierzuchtfabriken. Die anderen sagen, so stirbt der Tourismus
Frank Nordhausen

MEDOW/ALT-TELLIN. Es ist still auf dem Feld in Medow nahe Anklam. Man hört nur die Ventilatoren der Lüftungsschächte rauschen. Aus ihnen dringt ein Gestank, der einem den Atem nimmt. Die riesige Anlage sieht aus wie eine Fabrik, sie ist mit Stacheldraht, einem Erdwall und einem Wassergraben gesichert wie ein Gefängnis. Hier werden Schweine gemästet. 14 000 Schweine. Der stechende Geruch der Gülle liegt über dem Land.

„Es gibt Tage, da können Sie zu Hause kein Fenster aufmachen, sonst wird Ihnen schlecht“, sagt Christiane Becker. Sie ist Ärztin und wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern nur zwei Kilometer von der Anlage entfernt. Die Beckers sind vor zwanzig Jahren aus Greifswald ins Peenetal gezogen, weil sie auf dem Land leben wollten. Sie haben lange gegen die Schweinefabrik gekämpft, am Schluss haben sie verloren. Zwar ist noch eine Klage anhängig. „Aber wir überlegen schon, wegzuziehen“, sagt die 45-jährige Frau.

Bürgerversammlung in Alt-Tellin, dreißig Kilometer entfernt von Medow, eine Gemeinde im Tal der Tollense bei Demmin. Hier soll demnächst die größte Ferkelzuchtanlage Europas entstehen. 10 000 Sauen sollen pro Jahr 250 000 Ferkel werfen, die nach Westdeutschland gefahren, dort gemästet und geschlachtet werden. Ständig sollen etwa 65 000 Tiere in den Ställen stehen und mit der Jauche vier Biogasanlagen speisen. So sieht es der Plan des Investors vor. Es ist der gleiche Mann, der auch die Mastanlage in Medow betreibt. Der Mann, gegen den die Familie Becker gekämpft hat: Er heißt Adriaan Straathof, ist 51 Jahre alt und Niederländer.

In Alt-Tellin haben sich rund fünfzig Leute im Saal der Dorfkneipe eingefunden, die dem Bürgermeister Frank Karlstädt gehört. Karlstädt leitet die Sitzung. Es gibt Tumult. Brüllerei. In Alt-Tellin eskaliert derzeit ein Konflikt zwischen denen, die schon länger hier wohnen, und den anderen, die der Bürgermeister nur „die Zugereisten“ nennt. Leute, die sich in den vergangenen Jahren im Tollensetal angesiedelt haben. Aussteiger, Naturliebhaber, Künstler und Touristiker, die die maroden Schlösser der Region restaurieren – und die den Investor Straathof für eine existenzielle Bedrohung halten.

Adriaan Straathof stammt aus dem Osten der Niederlande, wo er zwei große Schweinehöfe betreibt. Er ist umstritten. Die holländische Gemeinde Buren kämpft schon seit fast zehn Jahren gerichtlich gegen ihn, weil aus seinem Hof mit 14 000 Schweinen unerträglicher Gestank entwich, der massiv gegen die Verordnungen verstieß. Vor sechs Jahren wurde Straathof die Genehmigung für zwei Drittel seiner Schweine entzogen, aber er dachte nicht daran, die Bestände zu reduzieren. Er verlor alle Prozesse, bis er im Juli der letztinstanzlichen Verurteilung durch einen Vergleich entging. Jetzt muss er 300 000 Euro zahlen und muss seinen Schweinebestand in Buren drastisch verkleinern.

Der Standort Alt-Tellin wurde Adriaan Straathof von der Schweriner Landesregierung vermittelt. Ihre Entwicklungsgesellschaft brachte den Holländer mit dem Chef einer Agrarfirma und dem Bürgermeister zusammen. Straathof sicherte sich die Ruine des alten volkseigenen Guts, dazu jene Felder, die er zum Ausbringen der Restgülle braucht. Im Mai hießen der Bürgermeister und der Gemeinderat den Investor offiziell willkommen. Jetzt läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung.

„Wir haben hier dreißig Prozent Arbeitslosigkeit. Wir brauchen Arbeit“, sagt der Bürgermeister. Und der Gestank? „Da gibt’s modernste Filter. Ist alles fest zugesagt.“ Karstädt sagt, nichts gegen sanften Tourismus, aber nur davon könne man nicht leben. „Auf mich macht Straathof einen guten Eindruck.“ Der Holländer hat 25 Millionen Euro Investitionen und 25 Arbeitsplätze versprochen.

Dagegen ist schwer zu argumentieren im vorpommerschen Hinterland, wo fast alle früher in der LPG waren und heute kaum jemand noch in der Landwirtschaft beschäftigt ist. Aber die Dinge sind in Bewegung geraten. Während überall die Dörfer schrumpfen, hat das Tollensetal Zulauf. Der 52-jährige Maschinenschlosser Jörg Kröger kam aus Lübeck, verliebte sich in die Landschaft und hat mit seiner Frau, einer Ärztin, das alte Schloss im nahen Wietzow gemietet. Kröger sagt: „Hier gibt es touristisches Potenzial. Wir haben zusammen schon mehr als zwanzig Arbeitsplätze im Tourismus geschaffen. Das geht kaputt, wenn diese Anlage gebaut wird. Wer will sich denn hier erholen, wenn es stinkt und dauernd Lastwagen fahren?“

Es geht aber nicht nur um den Gestank oder die Zunahme des Verkehrs. Es geht auch nicht nur um die Überdüngung der Böden durch das Nitrat aus der Gülle, das das Wasserschutzgebiet der Tollense gefährdet. Es geht um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Längst ernährt der Tourismus sechsmal so viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern wie die Landwirtschaft. Und Massentierhaltung ist mit Feriengebieten kaum vereinbar.

„Wer die Arbeitsplätze im Tourismus sichern will, darf keine Tierfabriken bauen“, sagt Jörg Kröger. Er hat sein Schloss aufwändig renoviert, Ferienapartments eingerichtet. Mit anderen Hoteliers, Kanuverleihern, Wandertourenveranstaltern hat er den Tourismusverband Tollensetal gegründet. Und nun eine Bürgerinitiative gegen die Schweinemast. Kröger sitzt in der Küche seines Schlosses und sagt, die Gemeindevertreter ließen sich ihren Schatz, die Natur, „für Glasperlen“ abhandeln. „Für ein paar Arbeitsplätze werden Boden, Wasser und Luft gefährdet. Das ließe sich keine Gemeinde im Westen bieten.“

Die grüne Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn, frühere Landwirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, hat im August die Straathof-Anlage in Medow mit ihren 14 000 Schweinen besichtigt. „Die wäre bei uns in Nordrhein-Westfalen nicht genehmigungsfähig“, sagt sie. Entsprechende Verordnungen sind oft Ländersache. Auch in Holland werden solche Agrarfabriken wegen der anfallenden Gülle nicht mehr zugelassen.

So sind seit etwa fünf Jahren die östlichen Bundesländer das Ziel von Agrarindustriellen, vor allem aus den Niederlanden. Ihnen geht es wie Straathof nicht um Höfe mit 3000 Tieren wie in der deutschen Massentierhaltung üblich, nicht einmal um 15 000 Tiere wie in den größten Ställen, die es in Holland gibt. Sondern es geht um Pläne für 60 000 und mehr Schweine. Als hätte es das Machtwort von Gerhard Schröder nie gegeben, der 2001 angesichts der Fleischskandale die „Agrarwende“ ausgerufen und kleinere Höfe gefordert hatte.

Schon Ende der neunziger Jahre hatte es viele holländische Schweinemäster nach Deutschland gezogen. „Doch in den westlichen Bundesländern wollte sie keiner haben. Länder und Gemeinden wussten sie gemeinsam schon im Vorfeld zu verhindern,“ sagt Bärbel Höhn.

Straathof ging zunächst nach Sachsen-Anhalt. Er kaufte Land und Ställe und stellte tausende Schweine ein, in Gladau bei Genthin und in Binde bei Salzwedel. In Sachsen-Anhalt gibt es inzwischen Widerstand gegen den Großagrarier. Deshalb ließ Straathof ein riesiges Projekt in Bertkow bei Stendal, wo er im letzten Jahr eine Anlage für 48 000 Mastschweine errichten wollte, fallen und wandte sich verstärkt Mecklenburg-Vorpommern zu.

Was Straathof nun in Mecklenburg-Vorpommern plant, übertrifft seine holländischen Anlagen bei weitem. In Deutschland tritt er mit einer Gruppe holländischer Schweinemäster auf, die ebenfalls zahlreiche Schweinefabriken in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg betreiben. Wie es dort zugeht, kann ein Mann berichten, der vor kurzem noch in mehreren der Anlagen gearbeitet hat. Der Gestank sei überall extrem gewesen, sagt der Mann, der anonym bleiben will. In den Ställen verliefen Kanäle, in denen die Gülle stehe, oft tagelang, bis sie abgepumpt werde. Fenster gebe es nicht. „Um Strom zu sparen, wurde nur selten gelüftet. Es war extrem stickig. Ich hatte dauernd Kopfschmerzen.“ Mehr als einmal seien Mitarbeiter wegen der Gase ohnmächtig geworden.

Am schlimmsten sei der ständige Stress gewesen. „Immer waren wir unter Druck. Schweine impfen, Ferkel kastrieren, Sauen besamen. Es sind viel zu wenig Leute da, und die sind völlig überlastet.“ Trotzdem hätten die Mitarbeiter nur etwas mehr als 800 Euro im Monat verdient, Überstunden wurden nicht bezahlt. „Oft haben wir zehn, manchmal zwölf Stunden gearbeitet.“ Adriaan Straathof sagt dazu nichts, er wollte sich auch nach mehrfachen Anfragen zu den Vorwürfen nicht äußern.

In Medow arbeiten zur Zeit zehn Menschen für Straathof, im sachsen-anhaltinischen Binde etwa zwölf. In den Ställen stehen die Schweine dicht an dicht. Das Fleisch solcher Tiere ist oft wässrig, aber es ist billig. Es kann aber nur so billig sein, weil die Abläufe in den Tierfabriken stark automatisiert wurden: Fütterung und Entmistung, alles läuft computergesteuert. Ein Mensch ist für etwa 1500 Schweine zuständig. So kommt es, dass selbst größte Fabriken nicht all zu viele Arbeitsplätze schaffen.

Der Schweriner Landwirtschaftsminister, der Sozialdemokrat Till Backhaus sagt, er selbst sei für mittlere Betriebsgrößen. Aber wenn ein Antrag für eine größere Anlage gestellt werde, müsse er auch nach den „geltenden Rechtsvorschriften“ bearbeitet werden.

Nach den Gesetzen in Mecklenburg-Vorpommern ist Straathofs Anlage in Medow rechtens. Und ein weiteres Engagement der Massenzüchter wohl willkommen. Gerade hat die rot-schwarze Koalition in Schwerin beschlossen, die Genehmigungsverfahren für solche Agrarfabriken weiter zu vereinfachen.