Wer den Brandanschlag in Sprötze begangen hat, bleibt weiter offen

Polizei ist skeptisch bei Bewertung von Bekennerschreiben
10. August 2010, Hamburger Abendblatt

Sprötze. Trotz der am Wochenende veröffentlichten Bekennermail hält es die Polizei für keineswegs sicher, das tatsächlich eine militante Gruppe der Animal Liberation Front, deutsch: Tierbefreiungsfront, für den Brandanschlag auf den Hähnchenmaststall in Sprötze verantwortlich ist. Die Polizei sieht in dem Text lediglich eine „Sympathiebekundung“. „Es handelt sich nicht um ein klassisches Bekennerschreiben“, sagte gestern Polizeisprecher Jan Krüger.
Details von dem Brandanschlag, die belegen, dass die Bekenner tatsächlich das Feuer gelegt haben, würden fehlen. Genau dieses Insiderwissen aber, so der Polizeisprecher, zeichne ein Bekennerschreiben üblicherweise aus. Die Polizei habe die Animal Liberation Front zwar als eine mögliche Tätergruppe „auf dem Schirm“, ermittle aber nicht nur in eine Richtung.

Die Animal Liberation Front (ALF) ist eine international agierende Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung. Zu ihren Methoden zählen die Befreiung von Tieren aus Versuchslaboren, das Absägen von Hochsitzen oder auch Brandanschläge. Die Aktivisten sind nicht organisiert. Vielmehr besteht die Tierbefreiungsfront aus unabhängig handelnden Kleingruppen, die sich für die jeweiligen Aktionen treffen oder auch aus Einzeltätern.

Ähnlich wie in dem Sprötzer Fall hatte der Verein „Die Tierbefreier“ mit Sitz in Dortmund im März 2007 nach einem Brandanschlag auf eine Wurstfabrik bei Hannover die Öffentlichkeitsarbeit für die Animal Liberation Front übernommen.(tsu)