Jetzt reden die Brandstifter von Sprötze

Von Jan Schubert, HAN-online, 10.8.2010

Wendung im Brandstiftungsfall von Sprötze: In einem Schreiben einer Gruppe der „Animal Liberation Front“ (A.L.F.), das den HAN vorliegt, haben sich mutmaßliche Saboteure zu der Tat vom 30. Juli bekannt. Bei dem Feuer war, wie berichtet, die noch im Bau befindliche Geflügelmastanlage komplett zerstört und ein Sachschaden von etwa einer halben Million Euro verursacht worden.

Sprötze. Das Schreiben war zunächst auf der Homepage des US-Magazins „Bite back“ (deutsch: zurückbeißen) mit Sitz in West Palm Beach, Florida, aufgetaucht und listete vielfache Gründe für die Aktion wie Umweltschäden durch die Anlage, Ressourcenverschwendung und Tierquälerei auf. Außerdem finden sich diese Passagen zu jener Nacht in Sprötze wieder: „Die Aktion wurde durchgeführt, um direkt Leben zu retten, da alle vorher argumentativ geführten Auseinandersetzungen gescheitert sind. Der psychische Druck und der finanzielle Schaden, der auf der/dem Besitzer/in lastet, ist uns bewusst. Dies steht aber in keinem Verhältnis gegenüber den Qualen, die die Hähnchen dort erleiden müssten.“
Die Verfasser kündigen weitere Anschläge an für den Fall, dass etwa Neues in Sprötze oder anderenorts entstehen sollte: „Alle Versuche, die Mastanlage wieder aufzubauen [. . .] werden wir zu verhindern wissen. Solange nicht-menschliche Tiere der Herrschaft der Menschen unterworfen sind, bleiben sämtliche Tierausbeutungsbetriebe Ziele solcher und ähnlicher Aktionen.“

Auch beim Dortmunder Verein „die tierbefreier“ ging das Bekennerschreiben als E-Mail ein, das mit den Worten „Für die Freiheit aller Tiere! A.L.F.“ endet. In einer Pressemitteilung gab der Verein bekannt, sich nicht an Aktivitäten wie der Brandstiftung von Sprötze zu beteiligen, doch diese publik zu machen und darüber zu berichten, wenn Gewalt an Tieren exerziert werde. „Bite Back“ publiziert nach ähnlichem Strickmuster weltweite Meldungen beispielsweise überBefreiungen von Tieren.

Sowohl von den Geschädigten in Sprötze, der Familie Eickhoff, als auch von der Polizei gab es vorerst keine Kommentare zum Bekennerschreiben. Man wolle zunächst die Ermittlungen der Polizei abwarten und sich dann äußern, sagte Gerhard Eickhoff den HAN auf Anfrage. Die Authentizität des Schreibens soll heute geprüft werden. Unlängst hatten die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 21 000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, ausgelobt.