Brandanschlag auf Hähnchenmastanlage in Sprötze

Hannoversche Allgemeine, Kreis Harburg, 01.08.2010

Bei einem Brandanschlag ist in der Nacht zum Sonnabend eine Hähnchenmastanlage in Sprötze bei Buchholz im Kreis Harburg komplett niedergebrannt. „Wir gehen eindeutig von Brandstiftung aus“, sagte ein Polizeisprecher. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 500.000 Euro. Verletzt wurde niemand.


Die Proteste militanter Tierschützer gegen Hähnchenmastanlagen scheinen eine dramatische Dimension erreicht zu haben. Unbekannte verübten in der Nacht zum Freitag auf eine Anlage im Buchholzer Ortsteil Sprötze (Kreis Harburg) einen Brandanschlag. Dabei wurde das Gebäude komplett zerstört. Die Polizei geht eindeutig von Brandstiftung aus. Da bereits Wochen zuvor Tierschützer gegen diese Anlage vor dem Buchholzer Rathaus protestiert und eine mehrtägige Mahnwache vor dem Hof abgehalten hatten, konzentrieren sich die Ermittlungen inzwischen auf diese Gruppen.

„Wer sonst sollte einen Grund haben so etwas zu tun?“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Gert Hahne. Eine solche Eskalation sei erschütternd. „Das nächste Mal könnte ein Wohnhaus danebenstehen und Menschen zu Schaden kommen“, betonte Hahne.

Niedersachsen Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) verurteilte am Sonntag den Brandanschlag aufs Schärfste. Auf einer Solidaritätsveranstaltung am Brandort sagte die Ministerin der Nachrichtenagentur dpa: „Vor den Trümmern zu stehen schnürt mir die Kehle zu. Mit dieser Brandstiftung ist eine Grenze überschritten worden.“ Sie appellierte an die Täter, zur Sachlichkeit zurückzukehren, ehe „noch mehr Menschen in Angst und Schrecken versetzt werden.“ Bei dem Brand war ein Schaden in Höhe von 500.000 Euro entstanden. Tiere waren zum Zeitpunkt des Feuers nicht in der Mastanlage, die erst in etwa vier Wochen in Betrieb gehen sollte.

Insgesamt hatten an der von dem Landvolk organisierten Veranstaltung 500 Menschen teilgenommen, darunter 300 Bauern aus der Umgebung. Die Landwirte wollen die betroffene Familie unterstützen. „Sie haben angekündigt, die Belohnung für die Ergreifung der Täter zu verdoppeln“, sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Harburg, Heiner Schönecke.

Zuletzt hatte der geplante Bau einer Geflügelmastanlage im Kreis Celle für monatelange Proteste und politische Diskussionen gesorgt. Vor zwei Wochen hatte dann jedoch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg den Bau der Anlage genehmigt.


2 Antworten auf „Brandanschlag auf Hähnchenmastanlage in Sprötze“


  1. 1 Tom 01. August 2010 um 23:17 Uhr

    Ich hoffe die Brandstifter werden bald gefasst und müssen den schaden bezahlen

  2. 2 Dirk 10. August 2010 um 11:24 Uhr

    Mein grösster Respekt an alle, die an dieser Aktion beteiligt waren !!!!!!!

    Ich „leihe“ mir an dieser Stelle ein Statement der Tierschutzpartei (http://www.tierschutzpartei.de/ ), die es meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt gebracht hat!

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    In die Radikalität getrieben…

    Für den Brandanschlag auf die noch nicht mit Tieren besetzte Mastanlage für „Hähnchen“ in Sprötze (Niedersachsen) in der Nacht zum 30. 07.10 hat sich eine deutsche Gruppe der A.L.F. (Animal Liberation Front) mit einem Bekennerschreiben verantwortlich erklärt.

    Die Partei Mensch Umwelt und Tierschutz wertet diesen Brandanschlag als ein klares Zeichen dafür, dass immer mehr konsequente Tier- und Umweltschützer in unserem Land die Hoffnung verloren haben, sich effektiv mit legalen, rechtsstaatlichen Mitteln gegen solche Unrechts- und Elendsprojekte wie diese Mastanlage zu wehren! Sie werden in die Radikalität getrieben, weil ihre Bemühungen um Verbesserungen zum Schutz der Tiere und der Umwelt bei den politisch Verantwortlichen auf taube Ohren stoßen. Die Mastanlage in Sprötze sollte als Zulieferungsanlage für den geplanten „Hähnchen“-Schlachthof in Wietze (der größte Betrieb dieser Art in Europa) dienen. Um dieses Großprojekt zu realisieren, müssen im Umkreis von 100 Kilometern über 400 neue „Hähnchen“-Mastanlagen errichtet werden, wogegen seit Monaten Tier- und Umweltschützer vergeblich Sturm laufen – unterstützt von vielen Bürgerinitiativen vor Ort, die sich vornehmlich gegen die zu erwartenden Geruchs-, Verkehrs- und Lärmbelästigungen zur Wehr setzen.

    Nach diesem Brandanschlag, einer Verzweiflungstat von Menschen, die sich vermutlich in einem massiven emotionalen Notstand befanden, stehen nun vielerorts Tierschützer und Umweltaktivisten pauschal am Pranger und nicht etwa diejenigen, die für massenhaftes Tierleid verantwortlich sind und damit diese Straftat provoziert haben.

    Die Agrarministerin von Niedersachsen, Astrid Grotelüschen (CDU), selbst Miteigentümerin einer Mastanlage für Puten, setzt weiterhin auf den Bau von Tier-KZs und klagt die falschen Täter an – Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht anders zu helfen wussten, als zum Mittel der „Gewaltanwendung gegen Sachen“ zu greifen!

    Man sollte darüber nachdenken, was unserer Demokratie mehr schadet: der Brandanschlag in Sprötze oder die Reaktion darauf seitens der niedersächsischen Agrarministerin. Hier wurde wieder einmal deutlich, dass die berechtigten Sorgen Hunderttausender Tier- und Umweltschützer ungehört bleiben, weil man/frau es sich nicht mit den Hühnerbaronen in Niedersachsen verderben will.

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