Brandanschlag auf Mastanlage in Sprötze bei Hamburg

Harburger Nachrichten, 1. August 2010
Vermutlich Brandstiftung: Wer hat das Feuer gelegt?

Die umstrittene Geflügelzuchtanlage in Sprötze ist gestern am frühen Morgen vollständig abgebrannt. „Wir haben Brandbeschleuniger gefunden“, sagte Polizeisprecher Jan Krüger auf Nachfrage der HAN. Brandstiftung ist somit mehr als wahrscheinlich.
von Julia Heitmann

Sprötze. Die 1600 Quadratmeter große Halle des Landwirts Gerhard Eickhoff am Kirchenhofweg befand sich noch im Bau, 36 000 Hähnchen sollten hier bald gemästet werden. Wer die Anlage angezündet hat, ist noch unklar. Eickhoff vermutet jedoch, dass es „militante Tierschützer“ waren, die so den Bau des Mastbetriebs verhindern wollten: „Das waren keine Anwohner und auch keine Neider. Wir hatten hier Gegner aus ganz Deutschland, die gegen Massentierhaltung protestiert haben. Einer von denen war es.“ Auf die Frage, ob er die Anlage trotzdem bauen wird, antwortete der Landwirt: „Wir stehen noch zwischen den Stühlen, wissen noch nicht, wie es weitergeht. Mir fehlen erst mal die Worte.“ Jan Krüger machte deutlich, dass die Polizei allen Hinweisen nachgehe: „Wir ermitteln in alle Richtungen, auch in Tierschutzkreisen.“

Rund 90 Feuerwehrleute hatten am frühen Morgen gegen das Feuer gekämpft, nach einer halben Stunde hatten sie die Flammen unter Kontrolle. Während der Löscharbeiten stürzten immer wieder Teile des Hallendachs ein, verletzt wurde aber niemand. Erst Stunden später war der Brand vollständig gelöscht. Eine zweite Halle, die in unmittelbarer Nähe stand, wurde von den Feuerwehrleuten erfolgreich abgeschirmt.

Nach Polizeiangaben beläuft sich der Schaden auf 500 000 Euro. Eickhoff hatte die Anlage, die für Bodenhaltung ausgelegt war, gebaut, um seinen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Sohn Malte (23) soll irgendwann den Hof übernehmen. Im Mai hatte eine Gruppe von Tierschützern wochenlang gegen den Bau der Halle demonstriert. Die Aktivisten, die offenbar keinem der hiesigen Tierschutzvereine angehörten, hielten Mahnwachen ab und riefen im Internet zur Beteiligung an den Demonstrationen auf. Der Betreiber einer dieser Internetseiten war auf Anfrage der HAN nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Tierschützer hatten erklärt, die Mastanlage unbedingt verhindern zu wollen. Sie verurteilten die Bedingungen, unter denen die Küken in der Anlage „ihr elendes Dasein“ fristenmüssten.