So langsam fängt der Spass an

Ermittlungen nach Farb-Attacke radikaler Tierschützer
Ostseezeitung, 12.3.2010

Seit Sommer 2009 richten Tierschützer Proteste gegen die Daberkower Landhof AG, die mit der geplanten Ferkelfabrik kooperiert.
Demmin (OZ) - Wilfried Kosalla bemüht sich um Gelassenheit, doch er ist besorgt. Der Vorstandschef der Daberkower Landhof AG bei Demmin entdeckte gestern an seinem Privathaus Flecken von grüner Farbe. Nach einem anonymen Bekennerschreiben, das im Internet kursiert und der OSTSEE-ZEITUNG zuging, handelt es sich bei der Farb-Attacke um Proteste von Gegnern der in Alt Tellin geplanten Ferkelaufzuchtanlage. Kosalla erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt gegen unbekannt.

Obwohl der aktuelle Schaden an seinem Haus gering sei, meint der 55-Jährige: „Das ist jetzt langsam kein Spaß mehr.“ Im Januar hatte es einen Brandanschlag auf eine Lagerhalle des Agrarbetriebs bei Brook gegeben, zu dem sich im Internet ebenfalls eine Gruppe von radikalen Massentierhaltungs-Gegnern bekannte. Glücklicherweise sei das Feuer schnell entdeckt worden, so dass es bei einem Schaden von rund 20 000 Euro blieb. „Aber in der Nähe stehen Häuser, es hätte viel schlimmer ausgehen können“, sagt Kosalla.
Mit den Attacken wollen die Akteure nach eigenen Angaben erreichen, dass die Landhof AG keine Flächen an den holländischen Investor Straathof verkauft, der in Alt Tellin eine der größten Schweinezuchtanlagen Deutschlands bauen will. „Die Flurstücke sind aber bereits vor einem Jahr verkauft worden“, sagt Kosalla. Den größten Teil der Flächen habe sich Straathof bei der bundeseigenen Bodengesellschaft BVVG gesichert.
Die Landhof AG, deren Tochterfirmen rund 10 000 Hektar Acker und Grünland bearbeiten, will Straathof zudem Gärrückstände aus dessen geplanter Biogasanlage abnehmen und auf ihren Feldern ausbringen. Schon im Sommer 2009 hatten Tierschutz-Aktivisten den Daberkower Agrarbetrieb belagert. Kosalla: „Wir wollten mit den jungen Leute reden, aber für die ist jeder ein Mörder, der Fleisch isst.“ Postkarten und Faxe gegen die Ferkelfabrik habe sein Betrieb an Straathof weitergeleitet.
Auch vor Ort protestiert eine Bürgerinitiative gegen die Ferkelanlage. Anwohner befürchten Geruchs- und Lärmbelästigung und sorgen sich um den Tourismus im Tollensetal.

ELKE EHLERS