Falschinformation zu Schweinezucht

Nordkurier – Demminer Zeitung
Artikel vom 24.02.2010
Von Stefan Hoeft

Neubrandenburg/Alt Tellin. Die Unterlagen zum Genehmigungsverfahren für die in der Gemeinde Alt Tellin geplante große Schweinezuchtanlage befinden sich nach wie vor in der Bearbeitung beim Staatlichen Amt für Umwelt und Natur Neubrandenburg, es gibt bisher also weder eine Zustimmung noch eine Ablehnung für das Vorhaben. Dies stellte die Behörde gestern auf Nordkurier-Anfrage klar. Sie reagierte damit auch auf ein Flugblatt, das viele Bürger der Gemeinde Alt Tellin gestern in ihren Briefkästen fanden. Mit offizieller Aufmachung „Mecklenburg-Vorpommern, Staatliche Abteilung für Umweltfragen und Naturschutz“ vermeldet diese „Bürgerinformation“, dass der Antrag auf Baugenehmigung einer Ferkelproduktionsanlage in einer Sitzung am 18. Februar 2010 durch das StAUN abgelehnt wurde.
„Das ist definitiv nicht von uns gekommen“, stellte gestern Monika Kadagies vom Vorzimmer der Neubrandenburger Behördenleiterin Christa Maruschke klar. Ihre allein für Presseanfragen zuständige Chefin sei den ganzen Dienstag nicht im Haus, so dass sie zu weiteren Reaktionen des StAUN auf die offensichtliche Fälschung nichts sagen könne und dürfe. Sie bestätigte aber, dass das Schreiben auch dem Amt zugegangen sei – das es an die zuständigen Kollegen weiterleitete. Eine so genannte Informationsbeauftragte und eine Mitarbeiterin namens Andrea Maurer, so ist das Flugblatt unterzeichnet, existiere nicht beim StAUN, berichtete Monika Kadagies. Und informierte zumindest über den Fortgang des umstrittenen Genehmigungsverfahrens: „Dieser Vorgang ist bei uns immer noch in der Prüfung.“

Dass die Behörde dabei zu einer ähnlich gearteten Einschätzung kommt wie die Verfasser des Flugblattes, darf angesichts der StAUN-Stellungnahmen zu dem Thema in der Vergangenheit stark bezweifelt werden. „Nachdem Vor- und Nachteile für die ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns gründlich durch das StAUN geprüft wurden, konnte weder ein gesellschaftlicher Mehrwert noch eine Begünstigung für Mecklenburg-Vorpommern ersichtlich werden“, heißt es beispielsweise in der „Bürgerinformation“. Als Begründung werden von besagter ominöser Andrea Maurer unter anderem für Anwohner und Umwelt unzumutbare Lärm- und Geruchsbelästigungen ins Feld geführt, ebenso wie ein mit dem Bau verbundener langfristiger Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Zugleich verweist das Blatt im DIN-A4-Format auf „künftig verstärkte Förderungen von landwirtschaftlichen Kleinstproduzenten“. Für Informationen dazu sowie ausführliche Angaben zu den Beschlüssen der Behörde führt die „Wurfsendung“ obendrein Telefon- und Faxnummern sowie die E-Mail-Adresse des StAUN Neubrandenburg an. „Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung“, so die „Informationsbeauftragte“.