Erfolgreiche Demonstration gegen den Bau der Ferkelzuchtanlage Alt Tellin

Kruckow, den 9. August 2009 – Am heutigen Sonntag fand in Kruckow im Landkreis Demmin, Mecklenburg Vorpommern, eine Kundgebung gegen den Bau der geplanten Schweinezuchtanlage, statt.
Ab 16 Uhr demonstrierten etwa 50 Umwelt- und TierrechtsaktivistInnen mit bunten Transparenten, Trommelmusik und Sprechchören vor dem Wohnhaus von Wilfried Kosalla, dem Vorsitzenden der Daberkower Landhof AG. Diese ist (Noch-) Eigentümerin des Grundstücks, auf dem die neue Anlage entstehen soll, beabsichtigt allerdings an den niederländischen Investor Straathof zu verkaufen, sobald das Bauvorhaben durch die Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur Mecklenburg-Vorpommerns genehmigt wird. „Mit dem Verkauf gibt die Daberkower Landhof AG grünes Licht für den Bau einer Anlage, die katastrophale Folgen für die Umwelt hat und Leid für Millionen von Tieren bedeutet. Wir sind hier, um Wilfried Kosalla aufzufordern, nicht zu verkaufen und somit dieses Wahnsinnsprojekt zu stoppen“ meint Christine Fuchs, Studentin der Umweltwissenschaften in Greifswald. Wilfried Kosalla verließ sein Grundstück mit Beginn der Demonstration, jedoch fanden Gespräche mit NachbarInnen statt. Gegen 18.00 Uhr zog schließlich ein Protestmarsch vor das Betriebsgelände der Daberkower Landhof AG. Bereits im Vorfeld dieses Besuchs hatte Kosalla zahlreiche Briefe, Faxe und Anrufe von GegnerInnen des Bauvorhabens erhalten.

Mit 250000 „produzierten“ Ferkeln pro Jahr wäre die geplante Anlage in Alt Tellin die größte Europas. „Aus reiner Profitgier werden in solchen Anlagen fühlende Individuen unfassbar gequält. Das ist aus ethischer Sicht absolut verwerflich“, so Fuchs. Doch es sprechen auch andere Gründe gegen einen Geländeverkauf. Die fatalen Konsequenzen, die industrielle Massentierhaltung dieses Ausmaßes hat, sind an Orten, an denen bereits riesige Mast- und Zuchtanlagen in Betrieb sind, unübersehbar: Gewässer, Böden und Wälder werden durch den Ammoniakgehalt der Gülle verseucht, Gestank und Verkehr machen ein Leben in der Umgebung ungenießbar. Tatsächlich gehen mehr Arbeitsplätze in kleinbäuerlichen Betrieben und im Tourismussektor verloren als durch die Massentierhaltungsindustrie geschaffen werden.
Betont werden muss jedoch, dass sich die Folgen von Fleischproduktion keineswegs auf die unmittelbare Umgebung solcher Anlagen beschränken und damit kein rein lokales Problem sind, sondern im globalen Zusammenhang gesehen werden müssen. So trägt der Viehhaltungssektor zu 18 % des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen bei, ist also stärker für den Klimawandel verantwortlich als die weltweite Nutzung von Flugzeugen, Autos und anderen Personenverkehrsmitteln. Desweiteren ist der Anbau von Futtermitteln, die aus Südamerika nach Europa importiert werden verantwortlich für die massive Rodung von Regenwald sowie der Vertreibung von zehntausenden Menschen zur Erschließung neuer Flächen. Protest gegen einzelne Massentierhaltungsbetriebe kann deswegen nicht ohne eine grundlegende Kritik am herrschenden landwirtschaftlichen System, das ohne die Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Umwelt nicht funktioniert, stattfinden.

Die heutige Aktion in Kruckow fand im Rahmen der Aktionstage gegen die geplante Anlage vom 8. bis 11. August statt. Für vier Tage kamen dazu Umwelt- und TierrechtsaktivistInnen, Studierende und weitere Interessierte aus der Region und dem gesamten Bundesgebiet zusammen, um auf die Folgen von industrieller Massentierhaltung aufmerksam zu machen und die Gemeinde Alt Tellin sowie die Daberkower Landhof AG dazu aufzufordern, den Bau der geplanten Anlage zu verhindern.