Schweine-Streit: Lokal des Bürgermeisters beschmiert

„Mit Graffiti beschmierten Unbekannte das Haus des Alt Telliner Bürgermeisters.“
Artikel von Stefan Hoeft, Nordkurier, 29. Juni 2009

grafitti

„Graffiti-Attacke. Die Auseinandersetzung um die in der Gemeinde Alt Tellin geplante Schweinezuchtanlage eines aus den Niederlanden stammenden Agrarindustriellen hat am Wochenende eine neue Form angenommen: Bisher unbekannte Täter „verzierten“ die Fassade der örtlichen Gaststätte „Storchenbar“ sowie Teile des Gehweg- und Straßenpflasters mit Schriftzügen gegen das Vorhaben und diesbezüglichen Drohungen.
Alt Tellin. Die Täter kamen nachts und hinterließen mitten im Dorf unübersehbare Zeichen: „Stoppt die Sauerei“ und „Verschwinde Straathof“ prangte in dicken schwarzen Buchstaben an der Straßenseite sowie dem öffentlich zugänglichen Giebel der Gaststätte „Storchenbar“. Scheiben waren zugesprayt und das Betonsteinpflaster des Gehweges sowie der Straße „verzierten“ die Worte: „Kommt die Anlage kommt Krieg“.“

„Unverkennbarer Hintergrund scheint die Auseinandersetzung um die in der Alt Telliner Gemarkung geplante große Schweinezuchtanlage des aus den Niederlanden stammenden Agrarinvestors Straathof zu sein. Denn der „Storchenbar“-Gastwirt und Bürgermeister Frank Karstädt gilt bei vielen Gegnern als ein Wegbereiter dieses Projektes.

Die teils scharfe Kritik an ihm scheint das gerade erst vor einer Woche bei einer Stichwahl im Amt bestätigte Dorfoberhaupt schon gewohnt. Mit der jetzigen Aktion sieht Karstädt die Grenze des Vertretbaren allerdings klar überschritten. Ebenso wie Pastorin Katrin Krüger, die den Musikabend der Kirchgemeinde im Nachbarort Broock nutzte, um sich klar gegen solche Schmierereien zu positionieren. Weil er das weder von der Tat an sich noch von den Formulierungen her als Lappalie ansieht, hat Karstädt die Polizei eingeschaltet.

Die ermittelt erstmal wegen Sachbeschädigung, so Verena Splettstößer, Pressesprecherin der Polizeidirektion Neubrandenburg. Ob ihre Kollegen von der Kripo Demmin bei dem Ganzen obendrein den Tatbestand der Bedrohung erfüllt sehen, müsse noch geklärt werden. Klar scheint das Zeitfenster, in dem die Schmierereien passiert sein müssen. „Gestern Abend, als wir gegangen sind, war noch alles in Ordnung, das war so 23 Uhr“, berichtete Samstagmittag der Bürgermeister, der etwas abseits vom Dorfzentrum wohnt. Nachts hätten zwar Leute ein anhaltendes Auto und Türengeklapper vernommen, doch die Tat sei erst am Morgen von einem Nachbarn entdeckt und dann ihm gemeldet worden.

„Es ist eindeutig, aus welcher Richtung das kommt“, meinte Karstädt. Er halte die Täter für Sympathisanten der Bürgerinitiative, die sich als Reaktion gegen die Schweinezucht-Pläne gegründet hatte, und sieht bei den Akteuren dort eine Mitverantwortung: „Wenn man Feindbilder so laut propagiert, zieht das dann auch so was nach sich, läuft es manchmal aus der Bahn.“ Mit friedlichem Zusammenleben, wie es die BI proklamiere, habe das jedenfalls nichts zu tun.

Günter Hegewald von der BI „Leben am Tollensetal“, der auch in die neue Gemeindevertretung gewählt wurde, weist solche Hinweise zurück und distanzierte sich auf Nachfrage unserer Zeitung von den Schmierereien. „Das entspricht nicht unserer Lebensart und ist nicht unsere Vorgehensweise.“ Das Thema werde sicher auch bei der nächsten Zusammenkunft in dieser Woche eine Rolle spielen.“