17. April: Internationaler Aktionstag für bäuerliche Kämpfe

Aufruf von Via Campesina

Organisieren wir uns für bäuerliche Rechte!

1996 erklärte La Via Campesina den 17. April zum internationalen Tag für bäuerliche Kämpfe. Dieser Tag soll an die Ermordung von 19 Landlosen der Landlosenbewegung MST erinnern, die von der brasilianischen Polizei ermordet wurden, als sie für ihre Zugangsrechte zu Land demonstrierten. Auch 13 Jahre später bleibt die Anerkennung von bäuerlichen Rechten eines der dringlichsten Anliegen für Via Campesina.

Die momentanen Krisen (Finanz-, Klima-, Energie-, Nahrungsmittel- und Biodiversitätskrise) zeigen deutlich die Verantwortlichkeit, die Anfälligkeit und die Absurdität des liberalen Wirtschaftssystems. Die logische Schlussfolgerung müsste sein, dass die Regierungen sich von der Politik abwenden, die diese Krisen verursacht und einen Richtungswechsel einschlagen. Stattdessen passiert aber das Gegenteil: weltweit kamen eine Vielzahl neuer, bilateraler Freihandelsabkommen zustande, es gibt erneute Vorstöße die Doha- Runde innerhalb der WTO zu beschließen, für Afrika wird eine neue grüne Revolution, die auf Biotechnologie basiert, propagiert, usw. usf. Die Europäische Union (EU) begann gegenüber afrikanischen Staaten sogar eine Offensive mit dem Ziel bis Juni 2009 Freihandelsabkommen – die so genannten Economic Partnership Agreements (EPAs) – durchzusetzen.

Neoliberale Politik im Allgemeinen und die EPAs im Besonderen stellen für afrikanische Staaten eine wirkliche Bedrohung dar. Eine Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen von EPAs auf Mali zeigt, dass diese Abkommen zu dramatischen Konsequenzen für kleine MilchproduzentInnen führen werden. Angesichts der Öffnung des nationalen Marktes, werden viele kleine ProduzentInnen zur Aufgabe ihrer Produktion gezwungen sein. Die EPAs sichern den multinationalen Konzernen große Profite und kümmern sich nicht um die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung.

Organisieren wir uns am 17. April, um Freihandelsabkommen in Afrika und überall auf der Welt zu stoppen! Lasst uns auf die Straße gehen und zeigen, dass wir es müde sind, dass die Rechte von Frauen und Männern immer wieder missachtet werden, um multinationalen Konzernen Gewinne zu sichern. Lasst uns für die Alternative eintreten: für Ernährungssouveränität und die dafür notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen, wie die „Bolivarianische Alternative für die Amerikas“ (ALBA) .

La Via Campesina ruft alle ihre Mitgliedsorganisationen, ihre FreundInnen und Verbündeten auf, sich zum 17. April zu organisieren und sich für bäuerliche Rechte (für das Recht auf Land, Saatgut, Wasser usw.) einzusetzen. Organisiert eine Demonstration, eine öffentliche Debatte, zeigt einen Film, eine lokale Ausstellung, ein Fest oder organisiert eine direkte Aktion etc..

Unterstützt die weltweite Kampagne von Via Campesina für eine internationale UN-Konvention zu bäuerlichen Rechten, wie sie bei der 5. Konferenz der “BäuerInnen-Bewegung” in Maputo im Oktober 2008 beschlossen wurde. Sie soll uns allen als Mittel dienen, um gegen neoliberale Politik, die im Gegensatz zu Ernährungssouveränität steht, vorzugehen.

* La Via Campesina ist die größte internationale Bewegung von Bauern und Bäuerinnen, LandarbeiterInnen, Landlosen, FischerInnen und Indigenen; siehe http://www.viacampesina.org