Die größte „Ferkelproduktionsanlage“ Europas…

Was soll gebaut werden?

Eine enorme Schweinezuchtanlage mit 6 Hektar überdachter Fläche, in der pro Jahr 250 000 Ferkel von über 10 000 Muttersäuen „produziert“ werden. Das bedeutet zwischen 600 und 700 Geburten pro Tag – und 685 Tieren, die täglich zum Schlachthof gefahren werden. Riesige Pipelines sollen die Gülle abtransportieren. Ausserdem soll eine Biogasanlage in der nahen Umgebung entstehen.

Was bedeutet das…?



… für die Tiere?
Die Schweine werden auf Gitterstäben ohne Streu so eng eingezäunt, dass sie sich nicht umdrehen können. Ihnen werden nach der Geburt die Schwänze abgeschnitten, die Zähne abgeschliffen und die männlichen Schweine werden kastriert. Das alles geschieht ohne Betäubung. Die Belüftung ist dort so schlecht, dass viele schon frühzeitig aufgrund der grausamen Haltungsbedingungen sterben. Für die Tiere, die dort nicht einmal in ihrem Leben das Tageslicht zu Gesicht bekommen werden, bedeutet das ein kurzes, leidvolles Leben bis zu ihrer brutalen Schlachtung.
… für die Natur und die bäuerliche Landwirtschaft? Die angrenzenden Böden und Gewässer werden durch die Gülle verseucht, moderne Technik rationalisiert Arbeitsplätze der einheimischen BäuerInnen. In Südamerika lassen Großunternehmen BäuerInnen von ihren Feldern prügeln und ganze Regenwaldgebiete abbrennen, um dort Soja für Fabriken wie die in Alt Tellin geplante zu produzieren. Sojamonokulturen und Pestizide zerstören die intakte Natur vor Ort. In Südamerika wird gehungert, weil westliche Industrienationen nicht auf ihren Fleischkonsum verzichten wollen.
… für das Klima? Weil Regenwald abgebrannt wird und massive Treibhausgase durch Gülle, Dünger und Soja- sowie Viehtransporte entstehen, ist die industrielle Landwirtschaft für um die 30% der Klimabelastung verantwortlich. Tierhaltung ist damit ein noch größerer Klimakiller als die gesamte Personenverkehrsindustrie (samt Flugverkehr!). Biologische Landwirtschaft dagegen bindet CO2 im Boden, reduziert bei regionalen Kreisläufen die Klimaproblematik.
… für die AnwohnerInnen? Lärm (36 LKW pro Tag), extremer Gestank, einen Rückgang des dortigen Tourismus und Lebensqualität. Die Grundstücke in der Umgebung verlieren bis zu 70 % an Wert. Während in Südamerika die Menschen von ihren Feldern vertrieben werden, entsteht hier eine Landflucht, weil keine mehr neben einer stinkigen Schweineindustrie leben will.

Wer steckt dahinter?

Adrian Straathof ist wegen seiner Massetierhaltungsanlagen von der niederländischen Regierung bereits mehrfach für Verstöße gegen „Tierschutzauflagen“ ermahnt und nun auch verurteilt worden. Er betreibt in Deutschland schon an 7 Stellen Schweinemastanlagen und plant nun zwei neue Anlagen in Mecklenburg Vorpommern.
Noch bewirtschaftet das Gelände die Daberkower Landhof AG, die auf der Fläche derzeit Raps anbaut. Bis jetzt gehört Straathof nur der Einfahrtsbereich von einigen Hundert Quadratmetern, auf denen die Ruinen einer alten DDR Massentierhaltungsanlage stehen. Zwar wird vom Umweltministerium noch geprüft werden, ob die Anlage genehmigungsfähig ist, jedoch ist ein Familienmitglied des Grundstückseigentümers der Fläche Gemeinderatsmitglied und setzt sich für den Verkauf ein.

Und wie sieht der Widerstand aus?

Der 17.4. ist internationaler Aktionstag von Via Campesina gegen die globale industrielle Landwirtschaft. An diesem Tag sind 1996 in Brasilien 19 AktivistInnen der Landlosenbewegung brutal niedergemetzelt worden. In Paraguay formiert sich trotz großer Repressionen zunehmend der Protest der Landbevölkerung gegen GroßgrundbesitzerInnen und SojaproduzentInnen unter dem Motto „La Soja mata“ (Soja tötet).
Die Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ der Gemeinde Alt Tellin plant am 17.4.2009 einen Sternmarsch, während das Aktionsbündnis Globale Landwirtschaft eine symbolische Besetzung des Straathofgeländes für den 17. und 18. plant.


2 Antworten auf „Die größte „Ferkelproduktionsanlage“ Europas…“


  1. 1 molch 18. April 2009 um 7:58 Uhr

    hey ihr,

    die zahlen in diesem artikel veranschaulichen das wahnsinns ausmaß dieses vorhabens …

    keine massentierhaltung – nicht hier noch sonstwo.

    für regionale strukturen die das Leben (menschen, tiere, mitwelt) bereichern!!!

    ich wünsche euch viel schaffenskraft und durchhaltevermögen. vor allem auch, dass mit der lokalbevölkerung fruchtbare dialoge und aktionen entstehen können.

    sonnenschein, gänsewein und respekt für alle,

    molch

  2. 2 tee 18. April 2009 um 14:26 Uhr

    In Südamerika wird gehungert, weil westliche Industrienationen nicht auf ihren Fleischkonsum verzichten wollen.

    immer wieder dieser himmelschreiende blödsinn!

    die hungern dort, weil sie keinen zugriff auf kapital und damit die im kapitalismus angebotenen waren haben. und nicht weil ich hier steak esse! würden sich hier alle vegan ernähren, würden die immer noch hungern. ich finde sowas dermassen verklärt und zynisch … ach, lassen wir das.

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